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25 Jahre Freundeskreis: Ein Geschenk für das Museum

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Für das Museum selbst ist der Ankauf unerreichbar: Dem Kaufpreis von ca. 100.000 Euro steht ein Budget für Ankäufe von nur 10.000 Euro gegenüber.

 

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© Sam Fogg, London

Anbetung der Heiligen Drei Könige

Oberrhein, Straßburg (?), um 1470/80

Stuckrelief, Reste originaler Fassung und Vergoldung, Übermalungen des 19. und 20. Jh. (?), Ergänzungen, Kastenrahmung aus (Linden?)Holz, 38,2 x 31,8 x 7 cm

Provenienz

Die Provenienz ist für den Zeitraum 1933-1945 lückenlos und als unbedenklich einzustufen: Seit mindestens 1924 (zuvor erworben in Rom?) in Privatsammlung von Julius Böhler, sen. (1860-1934), München. 1930 Tausch mit dem amerikanischen Privatsammler John Ringling gegen ein anderes Kunstwerk. 1932 Wiedererwerb durch die Julius Böhler AG, Luzern; danach in Kommission bei der Kunsthandlung Julius Harry Böhler (Enkel von Julius Böhler, sen.), München. Verbleib im Galeriebestand des Münchener Stammhauses. 1952 Verkauf an Galerie Dr. Benno Griebert, Meersburg. Im gleichen Jahr Verkauf an Emil G. Bührle, Zürich; vererbt an Hortense and Géza Anda-Bührle. 2016 Verkauf an Sam Fogg.(1)

Beschreibung

Dargestellt ist die Anbetung der Heiligen Drei Könige. Maria sitzt im Vordergrund rechts vor einer angedeuteten Stallarchitektur, aus der Josef heraustritt. Das sich verspielt bewegende Jesuskind hält sie auf ihrem Schoß. Es lehnt sich zum ursprünglich vor ihm knienden, ältesten König nach vorne links. (An dessen Stelle finden sich heute modern ergänzt ein Körbchen auf dem Boden und der Beinbereich des dahinter stehenden Königs.) Die beiden anderen Könige, in kostbare Gewänder gekleidet und mit prachtvollen Kronen, präsentieren ihre Gaben in goldenen Gefäßen, die teils filigrane Goldschmiedewerke widergeben. Während der „Mohrenkönig“ seinen Blick gen Himmel richtet (wo sich ursprünglich zwischen Felsen und Stalldach der Stern befand), widmet sich der mittlere König mit gesenktem Blick ganz dem munteren Treiben des Kindes. Von links nähert sich, perspektivisch verkleinert, aus einer felsigen Hintergrundlandschaft das berittene königliche Gefolge. Einzelne Gestalten, die den Ort des Geschehens bereits erreicht haben, wohnen der Anbetungsszene in zweiter Reihe bei. Durch ihre unterschiedliche Typisierung sowie verschiedenen Gesten und Blickrichtungen wird die Darstellung gleichermaßen verdichtet wie verlebendigt.

Einordnung

Das sehr qualitätvolle, fein modellierte Stuckrelief steht beispielhaft für die oberrheinische Kunst des späten 15. Jahrhunderts. Die Komposition der Anbetungsszene, die artifiziellen Haltungsmotive und die kunstvollen Gewandungen verweisen auf Vorlagen des Meisters E.S. und Martin Schongauers. Zeitlich und stilistisch kann es in der Nachfolge Niclaus Gerhaerts von Leyden (1463 bis 1467 in Straßburg nachweisbar, 1473 gestorben in Wiener Neustadt) angesiedelt werden. Dessen neue Kunstauffassung war prägend für die darauf folgende Skulpturenproduktion der Spätgotik. So besitzt das Relief große Tiefenwirkung und zeigt ein ausgeprägtes räumliches Figurenverständnis: Stark bewegte sowie verschränkte Körperhaltungen und Gewandführungen erzeugen Durchbrüche, Hinterschneidungen oder schalenartige Höhlungen. Das hier vorgestellte Relief gehört zu einer ganzen Reihe ähnlich großer Darstellungen aus dem Marienleben und der Passion Christi, die aus oberrheinischen (wahrscheinlich Straßburger) Werkstätten hervorgegangen sind und in mehreren Versionen zumeist in Stuck, aber auch in Ton und Cartapesta Verbreitung fanden. Es handelt sich um das letzte erhaltene Exemplar mit diesem Motiv und ist in der kunsthistorischen Forschung schon seit 1924 bekannt und publiziert.(2) Ein zweites, aus der Forschungsliteratur bekanntes Relief (vermutlich sogar desselben Models) befand sich im Bode-Museum und wurde 1945 zerstört. Alte Aufnahmen davon zeigen den ursprünglichen Zustand mit kniendem König.

Sammlung

Das Relief mit der Anbetung der Hl. Drei Könige hat das außergewöhnliche Potential, die Dauerpräsentation des Augustinermuseums in mehrfacher Hinsicht hervorragend zu bereichern: Sein Entstehungskontext und seine stilistische Einordnung passen exakt zu einem der Sammlungsschwerpunkte des Hauses, nämlich der mittelalterlichen Plastik des Oberrheins. Die nachgewiesene Verwendung und Verarbeitung von Vorlagen der bedeutendsten oberrheinischen Kupferstecher lassen dabei vielfältige Bezüge zu anderen Exponaten in der Augustinerkirche zu. Aufgrund seiner besonderen Materialität und Herstellungsweise ergänzt das Relief zudem die Sammlung um einen wichtigen Aspekt der spätmittelalterlichen Kunstproduktion (und ihrer Vervielfältigungstechniken), der auch in der Forschung mehr und mehr Beachtung findet. Schließlich erzählt die Reliefdarstellung ikonografisch eine ebenso beliebte wie bekannte Begebenheit, die jedoch – auf den zweiten Blick – durch das Fehlen eines dritten Königs spannungsreich gebrochen wird. Damit können auch Fragen an die Objekt- und Restaurierungsgeschichte in den Fokus genommen werden. Insgesamt eröffnen sich so vielschichtige Vermittlungsansätze und -wege für die Besucherinnen und Besucher des Augustinermuseums, die am Beispiel dieses Reliefs auf eine wahre Entdeckungsreise gehen können.

Dr. Eva Maria Breisig

 

(1) Nach Recherchen von Sam Fogg, London, und Ines Schmeisser, Städel Museum, 10.03.2016.

(2) Siehe Otto Schmitt, Oberrheinische Plastik im ausgehenden Mittelalter, Freiburg, 1924, S. Tafel 29b; Otto von Falke, Die Sammlung Dr. Albert Figdor, Wien, Erster Teil, Vol. IV, Berlin/Vienna, 1930, Nr. 214; Edith Hessig, Die Kunst des Meisters E.S. und die Plastik der Spätgotik, Berlin 1935, S. 61.

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