MeinAugustinermuseum

Mittelverwendung

Der Freundeskreis Augustinermuseum unterstützt das Museum in vielfältiger Weise.

Eine wichtige Aufgabe ist die Finanzierung von Erwerbungen, die die Sammlung sinnvoll ergänzen. Hierzu verfügt das Museum über keine nennenswerten Mittel und ist auf die Unterstützung anderer Institutionen angewiesen.

Foto: Axel Kilian

Bildnis der Markgräfin Sophie von Baden

Franz Xaver Winterhalter 1805 – 1873
Bleistift und Kreide, 1828

Der Freundeskreis hat diese Zeichnung für das Museum erworben. Das sorgsam bis ins letzte Detail ausgeführte, in verschiedenen Techniken gearbeitete Bildnis der Großherzogin ist Zeugnis der besonderen Verbundenheit des Künstlers mit der späteren Großherzogin, als deren Zeichenlehrer Winterhalter ab 1828 in Karlsruhe angestellt wurde und mit der er korrespondierte. Die 27jährige Markgräfin ist in ihrer noch mädchenhaften Ausstrahlung auf sehr einfühlsame Weise festgehalten: Die zarten, weichen Gesichtsformen sind mit weichem Bleistift sehr subtil angelegt, was die Wirkung der großen, ausdruckstarken Augen noch verstärkt. Rahmend treten Frisur, Schleier und Kleid hinzu. Möglich, dass hier der angehende Zeichenlehrer eine Probe seines Könnens abgeben wollte und sich gleichsam mit dem Blatt bewirbt.

Die wenige Jahre später 1831 entstandenen Zeichnungen und Gemälde der mittlerweile zur Großherzogin aufgestiegenen und zur jungen Mutter gereiften Dargestellten sind repräsentativer angelegt (Kat. AM, S. 30 u. Kat.-Nrn. 5-7) und ermangeln den jugendlichen Schmelz des frühen Porträts. Mit dem Ankauf dieser hochrangigen Zeichnung konnte der Winterhalter-Schwerpunkt des Hauses ausgebaut werden und ein Blatt gesichert werden, das auf besondere Weise den folgenreichen Beginn der Verbindung zwischen dem Künstler und seiner späteren Förderin belegt.

Foto: Axel Kilian

Bildnis Caspar Hedio

Hans Baldung Grien 1485/86 – 1545
Buchholzschnitt aus: Caspar Hedio: Eine auserlesene Chronik vom Anfang der Welt…, Straßburg 1543

 

Der Freundeskreis hat diesen Holzschnitt für das Museum erworben. Das Bildnis Caspar Hedio veranschaulicht Baldungs Verbindung zu Straßburg und zur Reformation. Der Theologe und Straßburger Münsterprediger Caspar Hedio gehörte zum Kreis des Erasmus von Rotterdam (Basel- und Freiburgbezug) und ist der reformierten Richtung zuzuordnen.

Foto: Axel Kilian

Maria Magdalena im Haarkleid

Unbekannter Künstler, 16. Jahrhundert
Laubholz mit wenigen Fassungsresten, 1852-1855

Der Freundeskreis hat diese Holzstatuette aus dem Privatbesitz der Kunsthändlerin Elisabeth Nissen für das Museum erworben. Das Motiv der Maria Magdalena im Haarkleid – in der Tradition der „Wilden Leute“ – verbreitet sich im 15. Jahrhundert, Anfang des 16. Jh. wird die Heilige zunehmend auf Werken für den privaten Gebrauch dargestellt.

Durch Haltung, Körperform, Gesicht und Haarkleid ist die Figur einem süddeutschen Künstler des frühen 16. Jahrhunderts zuzuordnen. Trotz der Überarbeitungsspuren ist noch die gute Qualität der Holzbearbeitung zu erkennen: Die Körperbehaarung ist in vielfältigen Locken gekräuselt, davon abgesetzt fallen die größeren Strähnen des Kopfhaares über den Körper und gehen in die Schambehaarung über. Die Pose im leichten Kontrapost und die Silhouette überzeugen durch Ausgewogenheit.Nicht nur die künstlerische Qualität und das selten in dieser Größe dargestellte Motiv der Büßerin machen die Figur interessant, sondern auch die offensichtlich mehrstufige Nutzungsgeschichte. Zunächst mag die Figur aus religiösem Kontext stammen, die späteren Eingriffe hingegen sind vermutlich durch private Nutzung begründet: Die geglättete Oberfläche an Brüsten und Hinterteil sowie der Sockel der Figur weisen auf die Aufstellung z.B. in einem frühneuzeitlichen Kabinett hin, wo sie offenbar viel berührt wurde.An der kleinen Figur lassen sich daher mehrere funktionsgeschichtliche Szenarien festmachen, sowohl im religiösen als auch im sozialgeschichtlichen Kontext.

Foto: Axel Kilian

Bildnis der Schwester

Hans Thoma 1839-1924
Öl auf Leinwand, 1886

Zu seiner Schwester Agathe hatte Hans Thoma Zeit seines Lebens eine enge Beziehung. Nach dem Tod seiner Frau lebte er mit ihr und seiner Mutter in einem Haushalt. Dieses Gemälde entstand noch in Thomas Zeit in Frankfurt und blieb auch nach seinem Tod zunächst in Familienbesitz.

Danach wechselte es in den Wirren des bewegten Jahrhunderts mehrfach den Besitzer: Im Zweiten Weltkrieg wurde das Bild nach Schlesien ausgelagert und dort beschlagnahmt. 1953 gehörte es neben weiteren Werken zu einem Konvolut, das die polnische Regierung der Nationalgalerie in Ost-Berlin zum Geschenk machte. Nach der Wiedervereinigung wurde es 1993 jedoch an die Erben restituiert und gelangte von dort schließlich in den Kunsthandel. Im Dezember 2015 hat der Freundeskreis Augustinermuseum Thomas Portrait seiner Schwester in einer Auktion in Berlin für das Museum erwerben können. Es ist eine ausgezeichnete Ergänzung zu Thomas Portrait seiner Mutter, das sich als Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland ebenfalls im Augustinermuseum befindet.

Foto: Hans Peter Vieser

Freiburger Münster vom Schlossberg

Gottlieb Theodor Hase 1818 – 1888
Fotografie auf Salzpapier in Originalmontage, 1852-1855

Noch zur Pionierzeit der Fotografie ist diese Aufnahme des Münsters entstanden, die als bislang erste Ablichtung des Bauwerks gilt. Sie zeigt das Münster vom Schlossberg aus, inmitten des Häusermeeres der Altstadt. Im Hintergrund gibt sie den Blick auf den noch weitgehend unbebauten Westen frei. Ganz schwach ist in der Ferne die Silhouette der Vogesen zu erkennen.

Als stadtgeschichtliches Dokument hat das Foto einen hohen Stellenwert: Zu sehen ist beispielsweise die 1863 entfernte Sonnenuhr im Giebel des Querhauses, während der 1855 errichtete neugotische Fialenaufsatz am dritten Strebepfeiler des Chores noch fehlt. Da der in Erfurt gebürtige Fotograf Hase sich erst 1852 in Freiburg niederließ, muss das Foto zwischen 1852 und 1855 entstanden sein. Dass es sich um einen historischen Abzug handelt, kann man an der Beschaffenheit des Papiers, dem Sepiaton und der charakteristischen, die Ecken abrundenden Montierung erkennen.Im Gegensatz zu modernen Neuabzügen genießen solche vom Fotografen selbst zur Entstehungszeit des Negativs entwickelte Aufnahmen als sogenannte „vintage prints“ besondere Wertschätzung: Sie sind historische Dokumente des frühen fotografischen Sehens und geben die Intention des Künstlers authentisch wieder.<br /><br />

Foto: Hans Peter Vieser

Elf Vignetten in Kreisrahmen

Hans Thoma 1839 – 1924

Kaltnadel auf Velin, 1897; Abzug von Felix Hollenberg, 1926

Hans Thoma gehört zweifellos zu den wichtigsten Künstlern der Region. Die Graphische Sammlung des Augustinermuseums besitzt viele seiner Arbeiten, die nun erworbene fehlte jedoch. Es handelt sich um einen besonders seltenen Druck, den auch ausgewiesene Thoma-Experten bislang nicht im Original kannten. So galt die Druckplatte 1923 als verschollen. Die Kaltnadelarbeit stellt ein wichtiges Dokument der Thoma-Rezeption dar, da Felix Hollenberg, einer der bedeutendsten Landschaftsradierer des 19./20. Jahrhunderts und zudem gelernter Drucker, den Abzug 1926 hergestellt und das Blatt signiert hat.Motivisch passt das Blatt sehr gut in die Freiburger Sammlung, da die Vignetten typische Thoma-Motive zeigen, die ähnlich sind, z.B. bei den geschnitzten Thoma-Stühlen (Storch mit Fröschen) oder bei einem von Thoma bemalten Bett (Hahn vor aufgehender Sonne) auftauchen. Das Motiv des Segelbootes wird 1900 im Exlibris von Joseph August Beringer aufgegriffen, zu dem sich die Vorzeichnung in der Graphischen Sammlung findet. Beringer, Verfasser des Werkverzeichnisses der Druckgraphik Thomas, war es wohl auch, in dessen Auftrag Hollenberg das Blatt druckte.

Foto: Hans Peter Vieser

Nähendes Mädchen in der Stube, 1885

Wilhelm Hasemann 1850 – 1913

Wilhelm Hasemann zählt zu den Begründern der Gutacher Malerschule. Aufgewachsen ist der Künstler in Mühlberg an der Elbe. Seine Ausbildung erhielt er in Berlin und Weimar. Im Jahr 1880 reiste Hasemann erstmals nach Gutach, um dort Zeichnungen für Buchillustrationen anzufertigen, und blieb bis auf kurze Unterbrechungen für den Rest seines Lebens im Schwarzwald. Er studierte die Gebräuche und Traditionen der Menschen.

Das vom Freundeskreis Augustinermuseum e.V. aus dem Münchner Kunsthandel erworbene Gemälde zeigt eine junge Frau beim Nähen in der Stube. Mit großer Kunstfertigkeit setzt Hasemann auf dem Bild Licht- und Farbakzente. Auf dem Tisch liegen zwei Äpfel, zudem steht dort ein Sommerblumenstrauß. Das Interieur der Bauernstube erinnert stark an das Gemälde „Im Herrgottswinkel“, das sich als Leihgabe des Münsterbauvereins bereits im Augustinermuseum befindet.

Foto: Hans Peter Vieser

Veduten von südbadischen Ortschaften

Johann Martin Morat (1805 – 1867)

Aquarellierte Bleistiftzeichnungen

Foto: Hans Peter Vieser

Bildnisrelief der Eheleute Clara und Johann Conrad von Gleichstein, 1779

Franz Anton Xaver Hauser (1739 – 1819)

Das Augustinermuseum konnte mit der finanziellen Unterstützung des Freundeskreises ein kleines signiertes und 1779 datiertes Bildnisrelief aus Alabaster von Franz Anton Xaver Hauser ankaufen. Dargestellt sind die Eheleute Clara und Johann Conrad von Gleichstein. Das kleine Doppelportrait war vermutlich anläßlich des 10. Todestages des Vaters von einem Sohn zur Erinnerung an die Eltern in Auftrag gegeben worden. Es ist in der langen Vitrine im Chorraum zu sehen.

Foto: Hans Peter Vieser

Silberpokal, um 1819

 

Joseph Wissler (?)

 

Silberpokal für den Freiburger Oberbürgermeister Johan Jakob Adrians anlässlich seiner Entsendung in die zweite Kammer des Ersten Badischen Landtags als Vertreter Freiburgs, 1819

Foto: Hans Peter Vieser

Die drei Parzen, 1513

Hans Baldung gen. Grien  (1484/85 – 1545)

Seltener Einblattholzschnitt, der den Bestand des Augustinermuseums sehr gut ergänzt.

Wie der zuständige Kurator Herr Dr. Reusse darlegte, gehören die Holzschnitte von Hans Baldung Grien wie kein anderes Konvolut zum Kernbestand der Graphischen Sammlung, was angesichts der Bedeutung des Künstlers für Freiburg – ihm verdankt das Münster sein Hochaltarbild – verständlich ist. Der Bestand von 55 Holzschnitten wird durch den Erwerb des sehr seltenen Einblattholzschnittes mit dem Titel „Die drei Parzen“ in mehrfacher Hinsicht ergänzt.

Baldung hat das 1513 datierte Blatt während seines Freiburger Aufenthalts entworfen, und es bringt inhaltlich ein neues, mythologisches Darstellungsthema in die Sammlung ein, das sich künstlerisch gut mit vorhandenen Blättern wie dem zuletzt, im Jahr 1975 erworbenen Blatt mit dem „Sündenfall“ von 1514 in Beziehung setzen lässt. Dargestellt sind die drei römischen Schicksalsgöttinnen in Gestalt drei nackter Frauen, die gleichzeitig die drei Lebensalter verkörpern und entsprechend als junge, reife und alte Frau gegeben sind. Sie sitzen vor einem Baum und spinnen den Lebensfaden, der am Ende von der ältesten Parze mit einer großen Schere abgeschnitten wird. Am linken unteren Bildrand sitzt ein Kleinkind, das eine Blume pflückt. Thema des Blattes ist also der Kreislauf des Lebens und die irdische Vergänglichkeit.

Foto: Hans Peter Vieser

Schwarzwälder Brettstühle, um 1900

Hans Thoma (1839 – 1924)

Mit Hilfe des Freundeskreises konnten zwei traditionelle Schwarzwälder Brettstühle aus Privatbesitz für das Augustinermuseum angekauft werden. Ihre Rückenlehnen wurden nach Entwürfen von Hans Thoma (1839 – 1924) von Bernauer Holzschnitzern ausgeführt.

Schon 2005 hatte der Freundeskreis den Erwerb von zwei Nussbaum-Plaketten mit allegorischen Reliefdarstellungen möglich gemacht, so dass mit der Neuerwerbung der Museumsbestand an kunstgewerblichen Werken von Hans Thoma um zwei weitere bedeutende und inzwischen seltene Arbeiten bereichert werden konnte.

Zur Unterstützung des Ende des 19. Jahrhunderts danieder liegenden Bernauer Schnitzerhandwerks hatte Thoma im Jahr 1900 der Großherzoglichen Schnitzerschule in seinem Geburtsort Bernau zwölf Motiventwürfe geschenkt. Die beiden originalen, alten Brettstühle, die das Museum erworben hat, zeigen Storch und Frosch auf der einen, Hase und Fuchs auf der anderen Rückenlehne.

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Susanne Saier

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