MeinAugustinermuseum

Mittelverwendung

Die „Stiftung Augustinermuseum“ verwaltet die ihr anvertrauten Gelder sorgfältig und finanziert aus den Erträgen Restaurierungen und Neuanschaffungen.

Neuerwerb: Predellenbild

Anfang des Jahres 2016 konnte die Stiftung Augustinermuseum eine interessante Holztafel aus dem Privatbesitz der Kunsthändlerin Elisabeth Nissen für das Augustinermuseum erwerben.

Vor monochrom schwarzem Hintergrund tragen zwei kniende Engel in wehenden, farbigen Gewändern eine Monstranz, die in der Art eines spätmittelalterlichen Schaureliquiars gearbeitet ist.

Motiv und Format der Tafel weisen sie eindeutig als Predellenbild eines Altarretabels aus, vermutlich für die Rückseite. Das dafür gängige Motiv der beiden das Schweißtuch der Veronika haltenden Engel wird hier mit einem theologisch vergleichbaren eucharistischen Gegenstand variiert: Statt der Vera Icon ist das Corpus Verum zu sehen; die liturgische Nutzung ist ähnlich. Denkbar wäre alternativ auch eine Anbringung an der Vorderseite eines Sakramentsaltars, beispielsweise in einer Sakristei.

Die Gesichter der Engel sind glatt und hell, Münder, Nase und Augen fein gezeichnet bis hin zu den Wimpern. Die Gesichtszüge, die etwas manierierten Handhaltungen und die farbliche Behandlung der Haare – blond mit aufgesetzten Lichtern - weisen in das späte 15. Jahrhundert. Auffällig ist die gewollte Varianz zwischen Locken und glattem Haar, der Blickrichtungen sowie der Gewandfarbe und -behandlung. Der unbekannte Maler verstand es, den flatternden Gewändern und den sehr körperhaften Flügeln durch Farbe Volumen zu geben, wenn auch der Faltenwurf einige Schwächen offenbart. Das Ziborium weicht, wie bei Goldgrundpartien üblich, in Maltechnik und Zeichnungsqualität von den Engeln ab, zeigt mit der Reflexion des Glaszylinders aber ebenfalls aktuelle Strömungen der Tafelmalerei im späten 15. Jahrhundert. Zudem lassen sich an ihm die zeitgenössischen Formen der Goldschmiedetechnik ablesen.

Neben der künstlerischen Qualität sind vor allem Ikonografie und Funktion der Holztafel interessant.

Restaurierung der Bildtafeln des sog. Staufener Altars

Der Staufener Altar

Der aus dem Kloster Tennenbach stammende und nach seinem späteren Aufbewahrungsort benannte Staufener Altar ist wahrscheinlich am Oberrhein in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts entstanden. Der ursprüngliche Altar ist nur fragmentiert erhalten. Die einzelnen Holztafeln wurden im 19. Jahrhundert nämlich zersägt und gespalten, um Einzelbilder zu erhalten. Insgesamt fünfzehn von ehemals sechszehn Altarbildern sind bis heute erhalten, zwölf davon werden im Augustinermuseum aufbewahrt. Dargestellt sind Szenen aus dem Marienleben und der Passion Christi, in denen die jeweiligen Protogonisten der Erzählung im Bildvordergrund dargestellt sind. Die beiden Bildfolgen sind entsprechend ihrem liturgischen Rang farblich voneinander abgesetzt: Die acht Marienszenen sind vor einen Goldgrund gesetzt und wurden vermutlich nur an Festtagen und sonntags gezeigt. Waren die Altarflügel geschlossen, waren die Passionsbilder zu sehen, die vor einen blauen, sternenbesetzten Hintergrund gemalt sind.

Restaurierung mit Geduld und Fingerspitzengefühl

Die im Augustinermuseum in Freiburg aufbewahrten zwölf Bildtafeln wurden von der studierten Restauratorin Lena Reuber in mehrjähriger Arbeit sorgfältig restauriert. Der erfolgreiche Abschluss der Restaurierung war möglich, weil die Stiftung Augustinermuseum für die nicht fest am Museum angestellte Restauratorin einen Werkvertrag finanziert hat.

In geduldiger Feinarbeit befestigte die Restauratorin lockere Farbpartikel auf den gut 600 Jahre alten Holztafeln und kittete Risse, die sich im Lauf der Jahre durch Feuchtigkeitseinwirkung in den mittelalterlichen Tafeln gebildet hatten. Neben der sorgfältigen Sicherung des Malgrunds erkannte sie während des Restaurierungsprozesses aber auch, dass der Staufener Altar nicht wie bisher angenommen ein Flügelaltar, sondern ein Tabernakelaltar war. Diese Erkenntnis hat auch Auswirkungen auf die Neuaufstellung der Bildtafeln im Museum: Auch hier wird die Stiftung Mittel bereitstellen, um eine korrekte und konservatorisch optimale Neu-Präsentation möglich zu machen.

Restaurierung des Passionsaltars

Die Eröffnung des ersten Bauabschnittes des Augustinermuseums im Jahre 2010 vor Augen konnten dank der Finanzierung durch die Stiftung Augustinermuseum vordringliche Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten an den drei im Augustinermuseum verwahrten Gemälden des dem sog. Hausbuchmeister zugeschriebenen Passionsaltars durchgeführt werden. Weitere Teile des Altars befinden sich in der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz in Berlin und im Frankfurter Städel.

Erst durch die Bestandssicherung wurde auch denkbar, dass die hochempfindlichen Holztafelgemälde während der Museumsschließung von Freiburg nach Hamburg transportiert und dort im Bucerius-Kunstforum zusammen mit anderen Exponaten des Augustinermuseums in der Ausstellung „Zwischen Himmel und Hölle“ gezeigt werden konnten.

Eine Bearbeitung vor Ort im Augustinermuseum in dafür provisorisch eingerichteten Räumen war Voraussetzung für die enge Abstimmung der beiden freiberuflichen Gemälderestauratorinnen. In der Zeitspanne vom 16. Februar bis zum 14. August 2009 war Frau Catarina Bothe an der Mitteltafel, Frau Ursula Heiduk Vrana an der Innenseite des linken Drehflügels und am rechten Standflügel tätig.

Nach einer eingehenden maltechnischen Untersuchung wurde der Erhaltungszustand der in der Vergangenheit mehrfach restaurierten Altarteile erfasst. Zunächst galt es im Hinblick auf die Ausleihe nach Hamburg festzulegen, welche Sicherungsmaßnahmen an den einzelnen Tafeln vorrangig durchzuführen waren. In zweiter Instanz ging es um die Verbesserung des Gesamteindrucks des Altarensembles. Beim „Kalvarienberg“ des Mittelbildes traten nebst Schäden im Bildträger entlang des unteren Randes großflächige hellrote Retuschen im Goldgrund sowie grobe Übermalungen beim Gekreuzigten optisch störend in Erscheinung. Demgegenüber fielen auf dem linken Drehflügel mit der Darstellung des „Ecce Homo“ im unteren Bereich keilförmige Einstiche sowie unzählige kleine Abplatzungen der Bildschicht auf. Der rechte Standflügel war durch einen fast über die gesamte Bildhöhe verlaufenden Riss verfremdet, der weit über den eigentlichen Schaden hinaus gekittet und übermalt worden war.

Im vorgegebenen zeitlichen Rahmen konnten über die Bestandssicherung hinaus die störendsten Manipulationen früherer Tage korrigiert werden. Im Zuge dessen wurden auch viele Quadratzentimeter originaler Malerei wieder sichtbar, die bislang durch allzu großzügige Ausbesserungen verdeckt gewesen waren.

Ihre Ansprechpartner

Dr. Markus Klimsch

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Vorstand
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